“Schaffe mehr Wert, als du abschöpfst.”
Warum Tim der/die kanonische Conference Organizer ist
Tim O'Reilly gründete O'Reilly Media im Jahr 1983, zunächst in einer umgebauten Scheune in Newton, Massachusetts, wo er Computerhandbücher produzierte. Im Lauf der folgenden Dekade baute er das Unternehmen zum führenden Fachbuchverlag auf — die Bände mit den Tiercover-Illustrationen standen in den 1990er-Jahren auf nahezu jedem Schreibtisch von Unix- und Linux-Administratoren. 1998 organisierte er in Sebastopol den Freeware Summit und versammelte die wichtigsten Vertreter der Free-Software-Bewegung, um nach Netscapes Quellcode-Freigabe über die weitere Strategie zu beraten. In den Diskussionen, die dieses Treffen rahmten, entstand gemeinsam der Begriff 'Open Source' als öffentliche Bezeichnung für die Bewegung, um 'Free Software' abzulösen. Daraus wurde OSCON — die O'Reilly Open Source Convention — als jährlicher Versammlungspunkt der Community: Der Verlag hatte eine Konferenz geschaffen, die zum faktischen Parlament der Open-Source-Welt wurde.
Die Rolle des Conference Organizers ist im Kern eine Wette darauf, dass ein Feld real genug ist, um Menschen darin zu versammeln — und dass Kuration, also die Entscheidung darüber, wer auf der Bühne steht, selbst eine Form von Macht ist. O'Reilly erkannte das früher als fast jeder andere. Nach dem Dotcom-Crash von 2000 begann er gemeinsam mit O'Reilly-Manager Dale Dougherty den Begriff 'Web 2.0' zu verwenden, um eine post-crashbasierte Erneuerung des Internets zu beschreiben: aufgebaut auf kollektiver Intelligenz, nutzergenerierter Daten und Plattformen als Infrastruktur statt als paketierter Software. 2004 rief O'Reilly eine geladene Executive Conference ins Leben; die öffentliche Web 2.0 Conference folgte 2005. Indem er eine Ära durch eine Konferenz benannte, machte er das Event selbst zum Mechanismus, durch den eine technologische Bewegung für alle lesbar wurde — ein Muster, das er mit dem Foo Camp (Friends of O'Reilly) wiederholte, das zu einer der begehrtesten Einladungen im Silicon Valley avancierte.
O'Reillys tieferer Beitrag ist, dass er Benennung und Rahmung als Infrastruktur verstand. So wie die O'Reilly-Bücher das Substrat bildeten, auf dem Entwickler die Grundlagentechnologien jeder Welle erlernten, waren die O'Reilly-Konferenzen das Substrat, auf dem die Branche bestimmte, wie jede Welle hieß und was sie bedeutete. Genau das ist die Conference-Organizer-Rolle in ihrer folgenreichsten Form.
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